Sprach- und Sprechspiele …Teil 1

Um Kinder zu fördern oder zu fordern sollten sie viel spielen. Fred Rogers, ein amerikanischer Kinder-Fernsehmoderator der 1970er Jahre, hat es seinerzeit treffend formuliert: „Über „Spielen“ wird oft gesprochen, als wäre es eine Auszeit vom Lernen. Aber für Kinder ist das Spielen gleich Lernen. Spielen ist in Wahrheit die Arbeit der Kindheit.“

An dieser Stelle möchte ich heute ein paar Spiele für verschiedene Sprachbereiche vorstellen. Diese Spiele für die Sprachentwicklung sind ganz einfach und ohne großen Aufwand zu spielen. Vielleicht kennen Sie das Ein oder Andere aus Ihrer eigenen Kindheit.

Spiele zum Zuhören und Hinhören und Mitmachen

Jemandem zuhören und genau hinhören ist wichtig, um die Sprache zu lernen, um sich Worte zu merken und um Gesprochenes in seine Lauteinheiten zerlegen zu können (Satz-Wort-Silbe- Laut). Das sind Voraussetzungen zum Sprechen, Lesen und Schreiben lernen.

Man nennt dieses genaue Hinhören auditive Wahrnehmung. Rhythmik und Geräusche nachahmen fördert diesen Bereich ebenso.

 

 

  • Abzählreime nutzen, zum Beispiel um heraus zu finden, wer z.B. den Tisch aufdeckt oder ähnliches

„Ene mene Miste, es rappelt in der Kiste, Ene mene meck und du bist weg“

  • Fingerspiele, z.B. als Ritual vor dem Schlafen gehen

„Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, der hebt sie auf, der trägt sie nach Haus, und der Kleine isst sie alle auf!“

(hier wird die Hand abgezählt: Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger, mit dem der Reim endet)

  • Stille Post spielen (mindestens 3 Mitspieler):

Von Mitspieler zu Mitspieler wird ein Wort ins Ohr geflüstert, der letzte Mitspieler sagt laut, was er gehört hat. Manchmal kommt dabei etwas richtig Witziges heraus.

  • „Ich höre was, das du nicht hörst“

„Ich höre was, das du nicht hörst, es ist ein Brummen“. Das Kind lauscht und sagt, was es gehört hat.

  • Ist das ein Olofant? Wer hat den falschen Ton erkannt? (Vorschulalter)

Wer an der Reihe ist bildet einen Satz. Zum Beispiel: „Ich habe gestern im Zoo ganz viele Uffen gesehen.“ Der Mitspieler, der den Fehler hört ruft „Stop“ und sagt das Wort dann richtig, also „Affen“.

 

Spiele für die Mundmotorik

Eine ausgewogene Spannung der Mundmuskulatur ist ebenso wie die Hör- und Hinhörfähigkeit Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung. Pusten, mit einem Strohhalm trinken und lustige Geräusche wie Schnalzen oder Pfeifen sind Übungen, um die Mundmuskulatur zu fördern.

Kinder sollten mit ca. 1 Jahr keine Nuckelflasche mehr haben. Kleinkinder können dann schon mit Hilfe aus dem Becher trinken. Auch der Schnuller sollte ab dem Zeitpunkt der ersten Worte nicht mehr tagsüber getragen werden, lediglich zum Schlafen. Kinder sollen frei sprechen können, wenn sie sprechen wollen. 

 

  • Pusteball

Ein Wattebausch wird auf einem aufgemalten Spielfeld mit Toren  hin und her gepustet. Oder ein Wattebausch wird in ein „Tor“ gepustet

  • Salzstangen-Wettessen

Salzstangen ohne Hilfe der Hände essen. Nur die Lippen und die Zunge transportieren die Salzstange

  • Gummibärchen Tanz

Ein Gummibärchen auf die ausgestreckte Zunge legen. Nun bewegt sich die Zunge rauf und runter, vor und zurück, ohne dass das Bärchen herunterfällt. Dann darf das Gummibärchen zur Belohnung gegessen werden.

Das Spiel kann man auch mit Chips-Kängurus oder den kleinen Schoko Koalas machen.

  • Vollkornbrot, Obst- und Gemüseknabbereien essen (Für die Spielpause!)

Vollkornbrot essen, eine Möhre knabbern oder in einen Apfel beißen, das sind tolle Muskelübungen für die Mundmuskulatur. Hier haben Kiefer, Zunge und Muskeln viel zu tun. Pfannkuchen, Toast und ähnlich weiche Speisen fordern die Muskulatur kaum. Liebevoll angerichtete Gemüsesticks oder Brothäppchen sind bei Kindern als Snack sehr beliebt.

 

Spiele zur deutlichen Aussprache

Die Voraussetzung für eine deutliche Aussprache ist eine ausgewogen starke und funktionierende Mundmuskulatur. Auch muss der Kiefer richtig geformt sein, so dass die Zunge für die Aussprache  ihren richtigen Platz finden kann. Ist der Kiefer durch den langen Schnullergebrauch, durch das Daumennuckeln  oder schon angeboren verformt, dann rutscht die Zunge zwischen die Zähne  hindurch und die Kinder können die Zischlaute nicht richtig bilden. Kinder müssen gut hinhören können, um verschiedene Sprachlaute richtig aussprechen zu können. Sagen sie zu „Tasche“ zum Beispiel „Tasse“, können aber das „sch“ sprechen, so ist es meistens darauf zurück zu führen, dass die Kinder den Unterschied zwischen „sch“ und „s“ noch nicht wahrnehmen und hören. Diese Fähigkeit entwickelt sich zum Vorschulalter erst richtig. Auf spielerische Art und im fröhlichen Umgang mit Geräuschen und Lautmalereien („sssss“ macht die Schlange) können Kinder das im Spiel üben. Ein 3 jähriges Kind, das extrem undeutlich spricht und von Menschen außerhalb der Familie nur schwer verstanden wird, sollte immer dem Kinderarzt vorgestellt werden. Vielleicht braucht es eine intensivere Förderung durch Logopädie. 

 

  • Zungenbrecher sprechen

„Zehn Ziegen zogen zehn Zentner Zucker zum Zoo“ ;

“ Ludwig Leckermann aus Leck am Neck leckt leckere Lollis, leckere Lollis leckt Ludwig Leckermann aus Leck am Neck“;

„Fünf Füchse fingen fünf fette, feiste Feldmäuse, fünf fette, feiste Feldmäuse fingen fünf Füchse“;

„Plötzlich plappert Papas Papagei putzige Sätze, putzige Sätze plappert Papas Papagei plötzlich“

 

  • Tiergeräusche nachahmen

Ein Tier-Memory spielen, beim Aufdecken der Karten das Tier nachahmen;

Ein Rollenspiel mit dem Kind spielen, sich vorstellen es treffen sich zwei Schlangen „ssssss“ oder zwei Tiger, die fauchen.

 

Das beste Training zum Sprechen lernen, ist viel miteinander  zu sprechen.  Also sprechen und spielen Sie mit Ihrem Kind wo immer es nur geht. Als Eltern sind Sie in allen Bereichen, also auch in der Sprache, ein Vorbild, an dem sich Ihr Kind orientieren kann.

Falls Sie das Gefühl haben, dass die Sprachentwicklung ins Stocken geraten ist, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an die Erzieherinnen Ihres Kindes oder an den Kinderarzt. Die helfen Ihnen weiter und können Ihnen Tipps zur individuellen Sprachförderung geben.